Tinos – karge Landschaften

Nachdem wir den Jahreswechsel in Athen gefeiert hatten und auch noch ein paar Tage länger dort blieben, um die Stadt weiter zu erkunden, fuhren wir am 5. Januar mit der Fähre auf unsere zweite kykladische Insel: Tinos.

Wir waren am 4. Januar abends auf eine Hausparty in Athen eingeladen und wollten dann am 5. Januar morgens gleich die Fähre nehmen wegen eines aufkommenden Sturmes auf den griechischen Ägäisinseln (dazu später in diesem Beitrag mehr). Wir fühlten uns jung und so kam uns die Idee die Nacht auf der Hausparty durchzumachen und dann um 5 Uhr morgens gleich zum Fährhafen zu fahren. Auf den nächsten beiden Bildern seht ihr wie es uns dann entsprechend auf der Fährfahrt erging.

In und um die Hauptstadt von Tinos

Die ersten Tage auf Tinos wütete ein starker Sturm mit Windböen bis zu 120 km/h. Die Fähren setzten für drei Tage ihren Betrieb aus und es fiel sogar an einem Tag der Strom für mehrere Stunden und auf mehreren der kykladischen Inseln aus. Aus Angst, dass Hannelores Dachzelt dies nicht aushält, quartierten wir uns für vier Nächte in ein AirBnB ein. Es war ein traditionelles kykladisches Haus. Was uns am meisten daran überraschte, waren die Möbel: die meisten davon waren nämlich aus Stein und mit den Wänden verbunden. Dies macht natürlich Sinn, wenn man, wie auf Tinos, reichlich Steine, aber kaum Bäume hat.

Die Tage im AirBnB nutzten wir zum Beispiel um ausgiebig zu kochen, Alex’ Geburtstag zu feiern, zwei Staffeln einer Serie zu schauen und Spiele zu spielen.

Bei unserer Ankunft auf der Insel, als es noch nicht ganz so stürmisch war, machten wir einen Spaziergang durch die Hauptstadt von Tinos. Auf den Bildern seht ihr auch die Wallfahrtsbasilika der Gottesmutter, die jährlich von mehreren zehntausend Pilgern aufgesucht wird.

Am 6. Januar, zum Feiertag der Heiligen drei Könige, gehört in Griechenland traditionell die Weihung der Gewässer: der Geistliche wirft ein Kreuz in das Meer (oder See, Fluss, Teich, etc.), dem Männer hinterher springen und darin wetteifern, es als erster zu finden. Wir hatten das Glück diese Tradition auf Tinos beobachten zu können.

Vier Tage am Stück nur in der Ferienwohnung zu sitzen, haben wir nicht ausgehalten. Am dritten Tag machten wir uns trotz Sturm zu einer Wanderung auf. Am Ende waren wir dann aber doch glücklich wieder zurück in unserer windstillen Wohnung zu sein.

Typisch Tinos

Charakteristisch für Tinos sind die noch mehr als 600 erhaltenen Taubenhäuser. Es wird davon ausgegangen, dass diese während der venezianischen Herrschaft (1207 – 1715) erbaut worden sind. Tauben waren schon früher ein Hauptexportgut von Tinos und mit den Venezianern hatte man angefangen sie systematisch zu züchten.

Mit den Venezianern kamen nicht nur Taubenhäuser, sondern auch Windmühlen auf Tinos auf. Durch die starken Winde konnten große Mengen an Weizen gemahlen werden. Im 19. Jh. leisteten sie einen signifikanten Beitrag zur Wirtschaft der Insel und während Besatzungszeiten sicherten sie die Ernährung der Bevölkerung.

Oberlichter aus Marmor sind in den traditionellen Häusern auf Tinos weit verbreitet. Über den Türen und Fenstern platziert sind sie nicht nur für das hohe Niveau der Marmorkünstler repräsentativ, sondern dienten früher auch zur Belüftung und um mehr Licht ins Haus zu lassen. Überall sieht man auch andere Kunstwerke aus Marmor im Stadtbild wie zum Beispiel Brunnen.

Kardiani

Kardiani ist ein malerisches Dörfchen, steil anschmiegend am Hang gebaut. Wir machten zwar nur einen kurzen Spaziergang durch Kardiani, aber es hatte es uns sofort angetan. Überall im Dorf verteilt hingen Fotos aus dem Dorfleben vor ca. 50 Jahren. So kriegten wir einen Eindruck, wie lebhaft und gesellig es damals zugegangen war. Im Winter begegneten wir nur wenigen Menschen.

Pyrgos

Über Pyrgos hatten wir schon oft im Internet gelesen, wo es als schönstes Dorf Griechenlands beschrieben wurde. Wir besichtigten zuerst das interessante Marmormuseum. Dort wurde der Abbau von Marmor damals und heute und auch die Weiterverarbeitung anschaulich dargestellt. Auf Tinos gibt es nämlich mehrere Marmorvorkommen und insbesondere für seinen grünen Marmor ist es bekannt.

Danach guckten wir uns natürlich auch noch das Städtchen an und es gefiel uns ganz gut. Dass es wesentlich schöner als andere Dörfer ist, die wir bisher besucht hatten, ist uns aber nicht aufgefallen.

Fahrradtour

Endlich schwangen wir uns auch mal wieder aufs Fahrrad und düsten durch die karge Hügellandschaft bei Pyrgos.

Ein Highlight war die Prophetes Elias Kirche. Diese hatte Britta schon beim Wandern auf der Nachbarinsel Andros erspäht und bewundert. Deswegen nutzten wir die Gelegenheit und stiegen die letzten paar Höhenmeter zu Fuß hinauf. Uns bot sich ein überwältigender 360° Rundumblick über Tinos und bis nach Andros.

Leivada

Eine für Tinos ungewöhnliche Landschaft offenbarte sich uns auf unserer Wanderung zum Leivada-Leuchtturm. Im Gegensatz zur sonst eher spärlichen Vegetation Tinos’ begegneten wir entlang des Flusslaufs, dem wir zuerst folgten, Bäumen, saftigem Gras sowie ausgedehnter Vieh- und Landwirtschaft.

Das Landschaftsbild änderte sich aber wieder schlagartig, als wir uns von der Leivada-Bucht dem Leuchtturm näherten. Der üppige Bewuchs wandelte sich in dorniges Gestrüpp, welches sodann in einer schwarzen Mondlandschaft aufging.

Exomvourgo

Fast hätten wir es auf die venezianische Burg bei unserer ersten Wanderung geschafft, wenn wir nicht beim Aufstieg vom Sturm daran gehindert worden wären. Zum Glück führt eine Straße bis zu einem Kloster kurz vor dem Gipfel. So erklommen wir die Spitze dann doch ein paar Tage später bei bestem Wetter und genossen die Aussicht.

Übernachtungsplätze

Unsere erste Nacht in Hannelore auf Tinos verbrachten wir bei der Bucht Panormou auf einem Parkplatz am Rande der kleinen Stadt. Nicht optimal, aber wir mussten einen einigermaßen windgeschützten Platz finden, da der Sturm sich noch nicht ganz gelegt hatte.

Unser Übernachtungsplatz bei Kolimpithra war wieder etwas ruhiger und lag in der Nähe von zwei schönen Stränden, die im Sommer bei Surfern beliebt sind. Im Winter sahen wir nur wenige Spaziergänger.

Bei unserer Wanderung zum Leivada-Leuchtturm gingen wir ein Stück über diese verlassene Schotterpiste. Der Ausblick auf die Bucht und das Meer hat uns super gefallen, weswegen wir uns bei unserer Rückkehr Hannelore schnappten und es uns dort für die Nacht gemütlich machten.

Wie man sieht muss Hannelore schon Mal als Trockenständer für schwitzige Sportklamotten herhalten.

In der Nähe der Hauptstadt von Tinos standen wir sehr schön am Strand Agios Fokas. Hier hatten wir das erste Mal passende Bäume in der Nähe, um die Hängematte, die wir zur Hochzeit gekriegt hatten, aufzuspannen. Britta musste sich zwar dick einmummeln, weil ein kaltes Lüftchen wehte, aber es ließ sich doch sehr gut abhängen.

Bevor wir von Tinos auf die nächste kykladische Insel übersetzen konnten, flogen wir kurz zurück nach Deutschland, um bei der Hochzeit von Brittas Bruder Erik dabei sein zu können. Hannelore parkten wir auf einem bewachten Parkplatz in der Nähe des Athener Flughafens. Dort hatte sie auch viele andere Spielkameraden.

Weitere Eindrücke von unserem Alltag auf Tinos

Als wir vor zwei Jahren in Südamerika unterwegs waren, liebten wir es frische, regionale Waren von fliegenden Händeln zu ergattern. Auf Tinos ist uns dies zwei Mal geglückt – das Brot vom fahrenden Bäcker schmeckte besonders gut.

Gegen Ende unseres Besuches von Tinos ist unsere Gasflasche alle gegangen. Auf Tinos gab es keinen Nachschub und so mussten wir mal wieder auf unseren Campinggaskocher ausweichen.

In Athen haben wir für unsere Hannelore eine schöne Decke für die Rückbank gefunden. Sie schön hinzulegen war etwas fummelig wegen des Schranks auf der Rückbank, aber das hat sich gelohnt: es sieht jetzt wesentlich gemütlicher aus als vorher.

Hier noch Fotos vom Wäsche waschen, wie wir es sonst auf unserer Reise nicht machen können. Wir nutzten unseren Aufenthalt im AirBnB auf Tinos aus, um mit viel Seife und warmen Wasser in einem Waschbecken per Hand durchzuwaschen. Danach trockneten wir die Wäsche vor einem elektrischen Heizstrahler.

Beim Strand Agios Fokas erfreuten wir uns am Sonnenuntergang mit einem griechischen Rosé-Wein, Oliven und gefüllten Weinblättern.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Uebernachtungsplatz-Haengematte-2-1024x768.jpg

Übersichtskarte Tinos

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